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FAN-TREFFEN 2005

“Die Zeit verging viel zu schnell...”
Das zweite Mikael-Persbrandt-Fantreffen in Lüneburg und Harburg

“Mein Gott, die Zeit verging viel zu schnell...” stellten die sieben Frauen fest, die sich am 3. und 4. September zum zweiten Treffen der Mikael Persbrandt-Fans einfanden: Gisela, Sandra, Susy, Tanja, Heike, Anne und meine Wenigkeit. Obwohl die Zeit für unseren Geschmack zu kurz bemessen war, hatten wir zusammen viel Spaß. Daran hatte sicher auch das Wetter seinen Anteil, das sich im Gegensatz zum letzten Jahr mit sommerlichen Temperaturen von seiner guten Seite zeigte. Bei Kaffee, Tee und Kuchen wurden die ersten Infos ausgetauscht und einige Zeitungs- und Zeitschriftenausschnitte begutachtet, Mitbringsel von letzten Schwedenurlauben. Besondere Beachtung fand eine absolut unsägliche Fotomontage in einem Aftonbladet-Artikel: Mikael und Zlatan Ibrahimovic, die zusammen nach Brasilien für eine Unicef-Werbeaktion flogen, waren UNO-Blauhelm-Mützen aufgesetzt worden. Fast genauso grauenhaft wie die Montage zu Mikaels Training mit dem Ringermeister. Die kleine Raucherinnenpause überbrückten die Nichtraucherinnen mit ein paar herausgeschnittenen Szenen aus „Gunnar Govin“. Als Hors d’oeuvre für den Filmnachmittag stand dann die Szene im Film mit Mikael auf dem Programm. Gunnar Govin, der Titelheld, begibt sich zusammen mit seiner Nichte Beatrice, die alles mit der Videokamera festhält, auf eine tragikkomische Erkundungstour durch Schweden, bei der er die unterschiedlichsten skurillen Typen interviewt. Gespielt wird Gunnar Govin von Stefan Sauk, der sonst immer in die Schublade des hartgesottenen Polizisten/Harten Kerls gesteckt wird. Als eine Art schwedischer Alec Guiness übernimmt er gleich mehrere Rollen in dem Film, z.B. als Psychiater, verarmter Adeliger, schwuler Dandy, Rapsänger oder bürgerliche Politikerin.
Mikael tritt als Tankwart Kurt in Erscheinung. Gunnar hat gerade einen eloquenten Event-Manager (Kjell Bergquist) befragt, als Kurt aus dem Hintergrund auftaucht. Er raunzt Gunnar an, was er denn da mache, ob er etwa hier filme („Das geht nicht, das ist ein Arbeitsplatz!“). Gunnar erklärt es ihm mühselig und überredet Kurt zu einem Statement vor der Kamera. Auf die Frage, ob er glücklich sei, starrt der Tankwart nur mit konsterniertem Schweigen vor sich. Dann geht er wieder weg. Köstlich, wie Mikael den ungehobelten und zugleich unbedarften Tankwart spielt. Während der Auseinandersetzung mit Gunnar wandert ein Papiertaschentuch dauernd zwischen Nase und Händen hin und her. Höhepunkt ist dann das Styling der struweligen Haare mit einer Tube Gel aus den Tiefen des Blaumannes von Kurt, dabei ist bei der Frisur ohnehin Hopfen und Malz verloren. Durch einen langen stieren Blick in die Linse verdeutlicht Mikael schließlich die Unfähigkeit von Kurt, die Frage von Gunnar zu beantworten.
Als Plat de jour wurde dann „Jag är din krigare“ (Ich bin dein Krieger) von Stefan Jarl gereicht. In diesem interessanten Jugendfilm (Original mit Untertiteln) verlässt der 13jährige Kim sein Zuhause, um in der Wildnis im Einklang mit der Natur zu leben. Ein alter Indianer erschient ihm im Traum und erklärt ihn zum Beschützer der Natur. Im Laufe der Zeit verwandelt sich Kim immer mehr in einen Indianer, der mit Pfeil und Bogen gegen Eindringlinge in sein Paradies kämpft. Unter anderem sorgt er für die Verhaftung von deutschen Nesträubern, die Greifvogeleier und –junge klauen (natürlich fahren diese Herrschaften einen Mercedes!).
Mikael spielt den jungen Polizisten Hjort, der zusammen mit seinem älteren Kollegen und den Einwohnern des Ortes den Jungen sucht. Dabei macht er die unliebsame Bekanntschaft mit Kims’ Pfeilen: einer durchbohrt seinen Oberarm. Der harte Typ verwandelt sich in einen kotzenden Weichling. Hjort sinnt wegen dieser Demütigung auf Rache und verfolgt Kim als Soldat verkleidet schwer bewaffnet durch die Wildnis. Leider hat er nicht mit der Kompromisslosigkeit des Jungen beim Schutz der Natur gerechnet. Als er ihn stellt, muss Hjort tödliches Lehrgeld zahlen.
Mikaels Hjort wirkt wie eine Vorstudie zu Gunvald Larsson, gemischt mit Attitüden amerikanischer Sheriffs (Fliegersonnenbrille, Harter-Kerl-Haltung). Schon bevor er als Polizist durch Kims Wildnis trampelt, erleben wir Mikael als gemeinen Eindringling in die Natur: er kommt zusammen mit zwei Freunden für einen Wochenendtrip in der Natur zu dem See in dem alten Steinbruch, in den Kim sich zurückgezogen hat. Die Naturliebe ist allerdings nur vorgetäuscht, denn vor allem Trinken und Essen stehen auf der Tagesordnung. Hjort betätigt sich dabei als fies grinsender Vogelmörder, der nur zur Demonstration seiner Künste einen kleinen Vogel abknallt. Kim vertreibt die drei schließlich mit gezielten Pfeilschüssen.
Stefan Jarl, der in Schweden vor allem durch Dokumentarfilme über Natur und Umwelt bekannt wurde, hat mit „Jar är din krigare“ einen schönen Film gedreht. Abgesehen von den Auftritten von Micke lohnt es sich, ihn wegen der herrlichen Aufnahmen der Natur im Laufe der Jahreszeiten anzuschauen. Wobei für manche zu den Naturaufnahmen durchaus der entblößte Oberkörper von Herrn P. in einer Szene dazu gehören könnte …
Das filmische Dessert am Sonnabend Nachmittag waren Ausschnitte aus „Gossip“: ein Film, in dem zehn der bekanntesten schwedischen Schauspielerinnen fiktive bekannte schwedische Schauspielerinnen spielen. Neun von ihnen hoffen, die Rolle als Königin Christina in einer Neuauflage des alten Greta-Garbo-Films zu bekommen. Gezeigt wird ein Tag im Leben der Frauen inklusive ihres männlichen Anhangs beginnend vom Morgen beim Aufwachen (mit dem Gucken einer typischen Morgensendung, in der zwei Kolleginnen ihren neuen Film vorstellen) bis zum Abend. Dabei zeigen sich die Beziehungen der einzelnen Protagonisten untereinander, die sich alle gut kennen, miteinander befreundet, verheiratet oder voneinander geschieden sind und wo jeder mit jedem zusammen oder gegeneinander arbeitet.
Mikael spielt Schwedens sexiesten Schauspieler Åke Frigårdh, also in gewisser Weise sich selbst. Colin Nutley, der Regisseur und Drehbuchautor, hat sich deshalb nicht die Gelegenheit entgehen lassen, Mikaels charakteristischen Pumpa-Plocka-Griff + bei seinen Filmküssen zu karikieren. Helena Bergström, seine Partnerin bei dem Film im Film, meint zu ihrem Regisseur (Rolf Lassgård), ein Wunder, dass er ihr Gesicht nicht gleich ganz mit seinen großen Händen verdecke, um die Szene voll für sich zu verbuchen. Köstlich wie die beiden anschließend beim Dreh der Szene mit allen versteckten Haken und Ösen der Schauspielkunst um das möglichst beste Bild von sich kämpfen.
Allerdings ist auch der sexieste Schauspieler Schwedens nicht vor Problemen gefeit. Insbesondere mit Kindern hat es bisher nicht geklappt, daher muss er sich einem Test unterziehen. Die Szenen im Krankenhaus sind wirklich wunderbar, wenn Mikael aus dem Kämmerchen rauskommt, sich mit seiner Frau (Lena Endre) und einer hochschwangeren Kollegin (Marie Richardson) unterhält und dabei den Behälter mit den Spermien hin- und her schwenkt wie einen Kugelschreiber. Höhepunkt in diesem Film für Mikael-Persbrandt-Fans dürfte sein Auftritt bei der Geburtstagsfeier seiner Filmfrau sein: er erscheint als Frau verkleidet! Und er gibt wirklich überzeugend ein gut aussehendes weibliches Wesen ab! Dies wurde auch von den Teilnehmerinnen des Fantreffens gebührend gewürdigt.
Nach dieser visuellen und geistigen Stärkung wollten wir uns noch ein wenig am guten Wetter erfreuen. Zuerst lotste ich die anderen auf den Lüneburger Wasserturm, von dem man eine fantastische Rundumsicht über Stadt und Umland hat. Wir konnten dort unsere Blicke bis an die Elbe schweifen lassen. Danach ging es auf einem kleinen Rundgang durch die Innenstadt zur sogenannten westlichen Altstadt, in deren Straßen an diesem Wochenende die Alte Handwerkerstraße stattfand. Kostümierte Mitglieder des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt, der diesen Teil Lüneburgs vor der Abrissbirne der 70er Jahre gerettet hat, Standbetreiber und Handwerker stellten Markt- und Stadttreiben in der Renaissance dar, inklusive Büttel, bettelnder Kinder und Tiere. Witzigerweise fanden wir auch hier einen Bezug zu unserem ODB*: ein Mann mit einem Rhodesian Ridgeback** an der Leine drängte sich an uns vorbei, so dass wir uns in natura ein Bild von Mikaels Hund machen konnten. Zum Abschluss des Tages gab es leckeres Essen in dem gleichen Hinterhof-Garten, in dem wir schon letztes Jahr diniert hatten. Wir saßen dort zusammen, bis uns zunehmende Abendkühle vertrieb.

Der Sonntag startete für Sandra, Heike, Anne und mich mit einer zuckeligen Bahnfahrt von Lüneburg nach Harburg, da wir die an jeder Milchkanne haltende Regionalbahn statt des schicken schnelleren Metronoms nehmen mussten. In Harburg holte uns Gisela ab und fuhr mit uns via Hamburgischem ÖPNV zum Lokal, in dem wir zusammen mit Tanja und Susy brunchen wollten. Wir hatten extra nur frugal gefrühstückt, um uns ausgiebig dem ausgezeichneten Buffet widmen zu können.
In Giselas Wohnung wurden zunächst die Goodies verteilt, die Gisela aus Schweden von Trollet erhalten hatte: Die Seite aus dem Herbstprogramm des Dramaten mit dem Foto, dass „Schwedens heißester Kuss des Herbstes“ (laut Aftonbladet) zeigt. Außerdem einen Flyer mit einem Foto von einer „Fröken Julie“-Probe. Außerdem mussten wir natürlich noch Herrn Persbrandt in Lebensgröße bewundern. Gisela hatte den Aufsteller, den wir als Trostpflaster im März für die abgesagte Generalprobe von Lik som män und das ausgefallene Treffen mit Mikael bekamen, aufgebaut. „Pappklopsi“, wie wir Stockholmfahrerinnen ihn liebevoll nennen, wurde natürlich gründlich begutachtet und abfotografiert.
Der Film des Tages war „Dag och natt“, für den Mikael den Bergman-Ehrenpreis im Januar 2005 erhalten hat. Quasi auch als Wiedergutmachung für den entgangenen Guldbagge, da der Film als dänisch eingestuft und nicht für die Auswahl des schwedischen Filmpreises zugelassen wurde. Von der Geschichte her ist DON*** recht schwere Kost, aber insgesamt der beste Film, den Mikael bisher gedreht hat. Er ist herausragend als Thomas, der in seiner Verschlossenheit unerreichbar ist und der selbst zu den ihm nahe stehenden Menschen nicht mehr durchdringt. Wie Mikael mit minimalen mimischen Mitteln diesen Panzer aus Ablehnung, Arroganz und Abweisung darstellt und zugleich immer wieder die Einsamkeit, Verzweiflung und den Wunsch nach Nähe von Thomas durchscheinen lässt, lässt einen nicht kalt.
Aus der großen Riege der exzellenten Nebendarsteller ragt für mich besonders Marie Göranzon als Thomas' demente Mutter Maria heraus. In dem Abschnitt mit ihr erfährt man einiges, was die Entwicklung von Thomas und sein Handeln erhellt. Er ist für sie ein Loser und Säufer. So wie seine Mutter ihn als Kind damit verletzte, als sie zu ihm sagte „ich will nicht deine Mutter sein, ich wollte dich nicht haben“, in genau der gleichen Art hat er am Morgen seines letzten Tages die Liebe seines Sohnes so zurückgewiesen, dass dieser ihn schließlich hasst und abweist, gut zu sehen in der erschütternden Fußballplatzszene. Wenn Thomas seine Mutter schließlich an einem Strand aussetzt, dann erschrickt man über diese kaputten Menschen. Sehr gut war neben Pernilla August als schizophrene Schwester auch die Leistung von Tuva Novotny als schwangerer Prostituierter Desiré. Ihr Gesicht wirkt trotz ihrer Jugend uralt, eine in Stein gemeißelte Maske, hinter der sie ihre Emotionen verbirgt, um nicht noch tiefer hinuntergezogen zu werden. Obwohl sie das Geld gut gebrauchen könnte, lässt sie sich nicht überreden Thomas gegen Bezahlung zu töten, weil sie weiß dass sie dadurch nur noch unglücklicher werden würde. Thomas muss das schon selbst erledigen. Allerdings ist es etwas melodramatisch, dass er sich während eines Gewitters bei Donner und Blitz umbringt.

Leider konnten Tanja und Heike DON nicht zu Ende sehen, da für sie schon die Zeit zur Abreise gekommen war. Während Gisela die beiden zum Bahnhof brachte, sahen wir übrigen uns den Film weiter an, der uns sehr beeindruckte. Nach Giselas Rückkehr klärten wir schließlich noch die Unterkunftsfrage für unseren nächsten Stockholmtripp, bevor wir auch zur Heimfahrt rüsteten.

+ Pumpa-Plocka-Griff = zu deutsch Kürbis-Pflücker-Griff, mit dem Mikael die Köpfe seiner Filmpartnerinnen beim Küssen ergreift.
* ODB= Our dear boy, von den Colin-Firth-Fans übernommen
** Rasse von Mikaels Hund
*** Abkürzung des Filmtitels Dag och natt

Aufgezeichnet von Hilke - 14. September 2005